Kölner Bucht und die Ardennen
Im Viereck zwischen den Städten Aachen, Köln, Koblenz und Trier liegt eine Mittelgebirgslandschaft von überraschender Urtümlichkeit und Schönheit: die Eifel. Sie wird im Osten vom Rheintal und im Süden von der Mosel begrenzt. Vulkanhügel und Kraterseen im Osten, karge Hochebenen mit ausgedehnten Wäldern und Mooren im Nordwesten, beeindruckende Felslandschaften und Flußtäler im Südwesten geben der Landschaft ihr charakteristisches Gepräge. Die Geologie, ein steter, kleinräumiger Wechsel von saurem Sedimentgesteinen, Kalk, Sandstein und vulkanischen Ablagerungen, bedingt eine reichhaltige Flora und Fauna. Kalkmagerrasen mit einer Vielzahl von Orchideen und anderen seltenen Pflanzen, Buchen- und Eichenwälder, Trockenbiotope auf Vulkanaschen, sumpfige Bachauen bringen den naturkundlich Interessierten zum Schwärmen.
Ein großer Teil der Eifel ist durch
Landwirtschaft
geprägt. Bedingt durch die Höhe (bis zu 800 m über NN, im Schnitt 300 bis 500
m) bedeutet das meistens Weidewirtschaft mit Viehhaltung zur Milch- und
Fleischproduktion. Ackerbau findet nur in klimatisch und geologisch begünstigten
Bereichen statt. Das Vieh wird überwiegend noch traditionell gehalten, Fleisch-
und Milch"fabriken" sind nicht die Regel. Der Erholungssuchende kann
sich noch an Kühen auf den Weiden und Schafherden auf den Trockenflächen
erfreuen. Duftende Heuernte gibt es noch, auch wenn der überwiegende Teil des
Futtergrases als Silage für den Winter konserviert wird.
Die Besiedlungszentren erscheinen den Menschen
aus den Ballungsgebieten als idyllische Städtchen und sind überschaubar, auch
wenn sie sich in letzter Zeit durch Neubaugebiete und Industrieflächen in das
Umland hineinfressen. Die kleinen Dörfer haben zum Teil noch ihren ursprünglichen
und gebietstypischen Charakter bewahrt. Die Straßenverbindungen und damit die
Anbindung an die Ballungszentren sind gut (bis zu gut, vom Pferderücken
aus gesehen).
Auch historisch bzw. kulturell hat die Eifel einiges zu bieten: von den Relikten der Römerzeit über die Burgen und Ortskerne des Mittelalters bis zu den widersinnigen Überbleibseln des letzten Krieges (Westwall).
Für den Reisenden mit eigenem Pferd ist die Eifel ebenfalls sehr reizvoll, aber auch anspruchsvoll. Riesige Wälder wechseln mit wildromantischen Bachtälern und ausgedehnten Weideflächen. Von den Höhen aus bieten sich oftmals grandiose Fernblicke, die Orte kuscheln sich regelrecht in die Täler. Der stetige Wechsel von bergauf und bergab kann für Pferde, die das nicht gewöhnt sind, recht anstrengend sein. Die Tagesetappen dürfen nicht zu groß gewählt werden. Leider sind die landwirtschaftlichen Wege oft grob geschottert, manchmal sogar asphaltiert, und die nicht befestigten Wege werden bei feuchter Witterung schnell zu glitschigen Schlammpisten. Auch hierauf muß bei der Streckenplanung Rücksicht genommen werden. Ein Hufschutz - am Besten mit Gleitschutz - ist für die Pferde unverzichtbar, ausreichendes Training vor der Reise sollte selbstverständlich sein.
Nach Norden zu fällt das Gelände über die
Voreifel in die Ebene der Zülpicher Börde und dann - über
das Vorgebirge der Ville hinweg - in die Kölner Bucht ab. Hier
wird vorrangig Ackerbau betrieben, bis hin zu einem Zustand, den man als
"Agrarwüste" bezeichnen kann. Dazwischen gibt es aber immer wieder
nette Bereiche, besonders entlang der Flußläufe, auch sind die Orte oftmals
sehr alt und überall finden sich alte Gemäuer und Wasserburgen. Die
untergeordneten Wirtschaftwege sind oftmals grasbewachsen und schnurgrade - ideal
für lange Galoppaden. Die Pferde kommen hier richtig in Fahrt und es können
lange Strecken am Tag geschafft werden.
Im Prinzip ist es möglich und durchaus reizvoll, von der Eifel aus bis an den Rand der Ballungsgebiete um Köln, Bonn und Aachen zu reiten. Natürlich ist auch der umgekehrte Weg, von den Städten hinauf in die Berge, eine erlebnisreiche und schöne Reise.
Im Westen geht die Eifel nahtlos in das Waldgebirge der Ardennen in Belgien, Luxemburg und Frankreich über. Die Wälder sind noch riesiger, die Dörfer noch uriger. Das System der Wirtschaftswege, die der Pferdereisende meistens benutzt, ist anders konzipiert als bei uns, und eine Verknüpfung der angenehm zu reitenden Strecken schwierig. Hier müssen noch viele Trails gefunden und Kontakte zu Einheimischen geknüpft werden, um die Schönheit dieser Gegend für Roß und Reiter zu erschließen.