
Unsere Pferd haben viele gute Eigenschaften, die sie für das Reiten im Gelände und das Reisen zu Pferd tauglich machen. Umgekehrt verlangen sie auch von den Reitern ein Mindestmaß an Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten decken sich nicht unbedingt mit denen, die in der konventionellen Reitausbildung - also z. B. Dressur oder Westernreiten - vermittelt werden. Eine Person, die sich im heimatlichen Dressurstall durchaus für fortgeschritten hält und auch schon einige Erfolge in Form von Pokalen oder Schleifen eingeheimst hat, kann hier bei uns völlig überfordert sein und im Extremfall sogar zu einem Problem in der Gruppe werden. Umgekehrt kann jemand, der mit der Reiterei noch nicht in Berührung gekommen ist, aber über ein gutes Körpergefühl, Balance, Einfühlungsvermögen und ein wenig Mut verfügt, verblüffend schnell mit unseren Pferden zurechtkommen.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß Unfälle fast immer mit einer gravierenden Selbstüberschätzung des Reiters einhergingen. Aus diesem Grunde haben wir in 2003 die ausführliche theoretische Einführung entwickelt und den Probeausritt als obligatorisch eingeführt, wobei der neu gekommene Reiter an diversen Gerätschaften auf Simulationsebene seine Fähigkeiten zeigt und diese dann in einer kleinen Gruppe draußen mit den Pferden im Gelände konkretisiert. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt.
Offensichtlich fällt es vielen Menschen hier schwer, sich selbst einzuschätzen, Mängel am eigenen Können zu erkennen oder auch eigene Fortschritte beurteilen zu können. Wie sonst ist die Unmenge an kleinen und großen Qualifikationen, die man in unserer Gesellschaft erwerben kann, zu erklären. Freischwimmerzeugnis, Führerschein, Erste-Hilfe-Kurs-Bescheinigung, berufliche Leistungsnachweise - es wimmelt in unserem Leben von Prüfungen und Papieren darüber. Auch der reiterliche Bereich quillt über von davon, und teilweise sind sie zum Selbstzweck geworden. Begeistert unterwirft man sich immer neuen Ausbildungen und Prüfungen und brüstet sich mit Abzeichen und Anstecknadeln. Es ist sogar im Gespräch, das z. B. der Reiterpaß der FN demnächst die Voraussetzung für die Erlaubnis, im Gelände reiten zu dürfen, sein soll.
So abwegig ist dieser letzte Gedanke auch nicht, verglichen mit den anderen Qualifikationen, die gefordert werden, wenn man seine Kraft oder Schnelligkeit
im öffentlichen Bereich durch technische Einrichtungen vervielfacht. Unsere
Pferde erreichen bis 50 Stundenkilometer - deutlich mehr als ein Mofa oder ein
Moped, für das ein Führerschein gebraucht wird. Die Masse (600 kg) und damit
die "Durchschlagskraft" eines Pferdes ist ungefähr die Hälfte der
eines Autos. Darüber hinaus reagieren Pferde nicht immer so gehorsam auf die
Befehle wie ein Fahrzeug auf Gas und Bremse. Und der "Rauscheffekt"
beim Reiten ist durchaus ebenbürtig dem auf einem schnellen Motorrad oder in
einem heißen Sportwagen.
Wir befürworten ebenfalls eine Art Führerschein fürs Pferd, sinnvollerweise nur für Reiter, die eigenverantwortlich im Gelände unterwegs sind, d. h. alleine oder als verantwortlicher Führer einer Gruppe. Deshalb haben wir in der Vergangenheit mehrfach versucht, mit etablierten Organisationen (FN bzw. VFD) zusammenzuarbeiten und deren Prüfungen bei uns durchzuführen. Das hat leider nicht geklappt, zum Teil wegen des hohen organisatorischen Aufwandes, vielleicht auch, weil wir diesen Vereinen zu exotisch erschienen.
Auch brauchen wir wegen unseres Konzepts eine Form der Qualifikation, die unsere Rittführer nach außen hin legitimiert. Was liegt also näher, als eigene Leistungskategorien zu schaffen, die dann auch auf unsere Belange und unsere Art des Reitens zugeschnitten sein können, aber mindestens den Vorhandenen ebenbürtig sind.
Ein Zweistufensystem sollte ausreichen.
Dazu eine hinführende Stufe, weil wir keine Ausbildungsmöglichkeiten in einer Reitbahn haben (und haben wollen).

In unserer "Gebrauchsanleitung" für die Traber und Isländer steht es ganz oben und sehr deutlich:
Ein Reiter muß
Erst dann darf er ohne Einschränkungen in der Gruppe und auf längeren (>2 Stunden) Touren mitreiten. Diese Fähigkeiten können vom Scout während des Proberittes geprüft werden, wenn die Person sich in der Lage dazu sieht.
Folgende Übungen müssen dazu absolviert werden:

Kosten entstehen für diese Prüfung keine, außer der normalen Ausrittgebühr.
Entsprechend der hohen Verantwortung, die eigenverantwortliches Reiten im Gelände und Führen einer Gruppe mit sich bringt, sind die Anforderungen wesentlich höher. Die Prüfungsabnahme ist nicht an die Teilnahme von einem unserer Seminare gebunden, das heißt das Wissen und die Fähigkeiten können in Eigenregie erworben werden. Der Reiter-Status ist Vorbedingung.
Die Scout-Qualifikation kann bei groben oder wiederholten Verstößen gegen die Scout-Regeln aberkannt werden.
Die Fähigkeiten umfassen
folgendes muß geleistet werden:
| - einhändiges Reiten - wegreiten von der Gruppe in hohem Tempo (Trab oder Galopp), langsam zurück zur Gruppe - allein einen parallelen Weg reiten - ein Stück mit Handpferd reiten - Anhalten und Absteigen, während die anderen weiter reiten bis sie nicht mehr zu sehen sind. Dann Aufsteigen und langsam hinterher. - ein Stück vorne reiten, auch durch den Straßenverkehr - einen aus der Gruppe am Überholen hindern |
Kosten entstehen für diese Prüfungen keine, außer der normalen Ausrittgebühr. Der Scout darf nun alleine auf den Scout-Pferden ausreiten bzw. nach Absprache kleine Gruppen führen.
Dies ist der "Lehrlings"status der Eifel Ardennen Scouts. Erscheinen bei dem Probeausritt die Fähigkeiten nicht ausreichend oder kann die Reiterprüfung nicht abgelegt werden, wählt sich der Anwärter einen Scout, der ihn weiterhin betreut, bis seine Fähigkeiten zum Reiten in der Gruppe ausreichen.